Neue "Trends" in der Nachfolge
Wenn von geistlichen Berufen die Rede ist, denkt man gewöhnlich (und in letzter Zeit wieder häufiger) an den Weg ins Kloster oder ins Priesterseminar. Dass sich heute auch andere Wege des geweihten Lebens auftun, hat sich bisher noch wenig herumgesprochen. Da gibt es (seit ca. 50 Jahren) zunächst die Säkularinstitute, d. h. Gemeinschaften, die mitten in der Welt nach den evangelischen Räten leben.
Die Kirche kennt aber auch ganz alte Lebensformen, die lange vergessen waren und es vielerorts noch sind, die sich aber eines wachsenden Interesses erfreuen und von der Kirche voll anerkannt sind, nämlich das Leben der Eremiten und der geweihten Jungfrauen. Im Kodex des kanonischen Rechtes, dem Rechtsbuch für die katholische Westkirche heißt es dazu:
"Can. 603 — § 1. Außer den Instituten des geweihten Lebens anerkennt die Kirche auch das eremitische oder anachoretische Leben, in dem Gläubige durch strengere Trennung von der Welt, in der Stille der Einsamkeit, durch ständiges Beten und Büßen ihr Leben dem Lob Gottes und dem Heil der Welt weihen.
§ 2. Als im geweihten Leben Gott hingegeben wird der Eremit vom Recht anerkannt, wenn er, bekräftigt durch ein Gelübde oder durch eine andere heilige Bindung, sich auf die drei evangelischen Räte öffentlich in die Hand des Diözesanbischofs verpflichtet hat und unter seiner Leitung die ihm eigentümliche Lebensweise wahrt.
Can. 604 — § 1. Außer diesen Formen des geweihten Lebens gibt es den Stand der Jungfrauen, die zum Ausdruck ihres heiligen Vorhabens, Christus in besonders enger Weise nachzufolgen, vom Diözesanbischof nach gebilligtem liturgischem Ritus Gott geweiht, Christus, dem Sohn Gottes, mystisch anverlobt und für den Dienst der Kirche bestimmt werden.
§ 2. Um ihr Vorhaben treuer zu halten und den ihrem eigenen Stande entsprechenden Dienst für die Kirche durch die gegenseitige Unterstützung zu steigern, können die Jungfrauen Vereinigungen bilden."
Das Rechtsbuch für die katholischen Ostkirchen kennt außerdem sogar noch die geweihten Witwen.
s. a. Weltkatechismus Nummern 920-924.
In Zenit fanden sich in den letzten Tagen zwei aktuelle Beiträge zu den Eremiten und den geweihten Jungfrauen.

