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Das Erzbistum Berlin betet 40 Tage um geistliche Berufungen

"Der Wahrheit Stimme will ich sein..."

"Deutschland hat ein Gewissen, solange Reinhold Schneider lebt." So formulierte Edzard Schaper 1954, vier Jahre vor dem Tod des Autors. Und nach einem flüchtigen Überblick entsteht der Eindruck, dass (mit einer Ausnahme) seines Jahrestages 2008 nicht mehr gedacht wird, während zum 100. Geburtstag 2003 wenigstens noch eine Briefmarke erschien. Unter Theologiestudenten, nach Reinhold Schneider befragt, meinte kürzlich nur einer, den Namen schon einmal gehört zu haben: "War das nicht dieser Liedermacher?"

 

Reinhold Schneider

 

Sicher sind wir ohne den Freiburger Dichter nicht von vornherein gewissenlos. Aber dem deutschen Denken fällt es schwer einen Geist zu bewahren, der sich einfach nicht einordnen lässt. Man hat es versucht, ihn in einer Reihe mit Werner Bergengruen und Gertrund von le Fort zu würdigen oder als Monarchist bzw. Pazifist zu diffarmieren. Aber zu eigenständig war sein Zugang zu Dichtern, Königen und Heiligen, die er in unzähligen Werken genauso darzustellen wusste wie die Gestalt von ganzen Völkern, Zeiträumen und Landschaften.

 

Reinhold Schneider spürte an Leib und Seele die Vergänglichkeit und Vergeblichkeit alles Irdischen. Was Menschen bauen, wird über Nacht veralten; unser aller Weg führt uns in den Tod. Erst nach langen Umwegen wusste er, sein tragisches Lebensgefühl zu bergen im Opfer des Kreuzes. Nicht unser Tun wird die Welt erlösen. Er betont: "Es wird nirgendwo mehr getan, als wo der Untergang bereitet wird." Vielmehr geht es um die Teilhabe an der Passion des Herrn: "Ein jeder Wille, der in die Zeitlichkeit tritt, wird durchkreuzt: gerade das ist der Plan der Gnade."

 

Das Wort "Berufung" findet man kaum im Werk Reinhold Schneiders. Er spricht von "Sendungen", die in der Welt zuweilen auch gegeneinander laufen können, wie bei Las Casas und Karl V. "Gott ruft, und der Mensch soll antworten. Aber er versteht im besten Falle das an ihn ergangene Wort, nicht Gottes Plan. Er sollte einsehen,dass an einen Andern ein anderes Wort ergehen kann und es achten."

 

Schneider erkannte in den Jahren von Diktatur und Krieg seine eigene Sendung. Selbst aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen (und 1945 nur knapp der Verurteilung wegen Hochverrates entgangen), verzichtete er auf geplante große Werke und verfasste für die Soldaten an der Front und die Daheimgebliebenen trostvolle religiöse Kleinschriften. Geheim gedruckt bzw. unzähligemale abgeschrieben, stellten diese Texte genauso wie seine Sonette einen literarischen Sanitätsdienst dar. Und auch nach dem Zusammenbruch, in den Tagen, wo die Menschen in unbeschreiblichem Elend über die Befreiung nicht froh werden konnten, schenkte er ihnen viele helfende, aufbauende, aber auch mahnende Worte.

 

Was uns heute bedroht, ist nicht die Bosheit des Menschen; die hat es immer gegeben. Bedrohlich ist der Mensch, der nichts mehr über sich weiß, nichts über sein Leben und nichts über seinen Tod, der gewissenlose Mensch. Das Werk Reinhold Schneiders schenkt uns ein Blick in die Herzen der Menschen und eine Ahnung vom Herzen Gottes. Er selbst musste den Weg von der Tragik der irdischen Welt zum Glanz der Erlösung geführt werden; am Karsamstag 1958 stürzte er auf dem Heimweg von der Kirche, und ohne wieder zu Bewusstsein gekommen zu sein starb er am Ostermorgen.

 

Artikel im bautz 

 

Biographie in Stichpunkten 

 

Badische Landesbibliothek

 

über die Jahre 1933-1945

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